Wem willst Du noch deine Hand reichen?

Vor ein paar Tagen wurde mir die Frage gestellt:
„Wem willst Du noch deine Hand reichen?“
Und in mir wurde eine Erinnerung wach.

Ich hatte meine Hand gereicht, nachdem ich verletzt wurde. Eine Verletzung durch eine Freundin. Die Verletzung erfolgte sicherlich nicht bewusst und beabsichtigt. Und doch verletzte sie mein Herz so stark, dass ich mich komplett zurück gezogen hatte. Unvorstellbar war es es für mich in dieser Zeit, meine Hand zu reichen.Zu tief saß der Schmerz.
Mit der Zeit spürte ich, dass in mir der Frieden einzog. Dass ich Frieden geschlossen hatte. Mir war der Frieden in mir begegnet. Das Gefühl der Verletzung hatte sich verwandelt.
Dies wollte ich auch meiner Freundin mitteilen.
Ich reichte meine Hand in Form eines Briefes. Drückte meine Versöhnung in Worten aus. Verlangte nichts zurück. Wollte „nur“ meine gewandelten Gefühle ausdrücken.
„Es ist gut. Ich reiche dir wieder meine Hand.“
Ein paar Tage später trafen wir uns zufällig auf einem Stadtfest. Hätte es diesen Brief nicht gegeben, hätten wir wahrscheinlich so getan, als würden wir uns nicht sehen.
Wären uns aus dem Weg gegangen. Aber nun konnten wir uns die Hand reichen.
Wir haben den ganzen Abend gemeinsam verbracht. Gelacht, getanzt und geredet. Es war ungezwungen wie früher.
Ich bin dankbar, dass ich diesen Frieden in mir spüren durfte. Dankbar, dass ich meine Hand reichen konnte.

„Wem willst du noch deine Hand reichen?“
Eine Geste, mit der wieder Frieden einkehren kann. Frieden in deinem Herzen.

 

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Das Tor zur Versöhnung!

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Foto: Simone Osteroth

Versöhnung ist nichts, dass ich mir zurecht denken kann.
Ich kann mir noch so sehr vornehmen, mich versöhnen zu wollen. Es muss mit meinem Gefühl übereinstimmen. Sonst ist es nicht echt.
Versöhnung ist vielmehr ein emotionaler Prozess.
Voraussetzung ist zum einen, dass ich es zugebe.
Zugebe: „Ja, es gibt etwas zu versöhnen.“
Und zum anderen, dass ich bereit bin, das Tor zur Versöhnung auch öffnen zu wollen.
Manchmal fehlt noch die Bereitschaft zur Versöhnung.
Auch da kann ich mich positionieren und sagen: „Ich will die Versöhnung noch nicht.“ Vielleicht, weil es noch zu sehr schmerzt.
Beides ist ok!
Ich muss für meine Entscheidung, egal wie sie ausfällt, die Konsequenzen tragen.
Will ich mich versöhnen. Oder will ich nachtragend sein.
Ich entscheide!
Ich entscheide, ob ich das Tor zur Versöhnung öffnen will. Oder ob es noch verschlossen bleibt.
Ich bin Schöpfer meines Lebens!

Ich habe bereits mehrfach das Tor zur Versöhnung geöffnet.
Manchmal habe ich mir viel Zeit dafür gelassen. Weil ich sie brauchte.
Und mit jedem Moment, in dem Versöhnung stattfand, öffneten sich meine vorher vor Wut oder Schmerz geballten Hände.
Öffneten sich, um jemandem meine Hand zu reichen. Oder um Neues anzufangen.

Ich weiß nicht, wie oft ich noch vor dem Tor der Versöhnung stehen werde. Wie oft ich noch die Entscheidung treffen werde, es zu öffnen.
Aber es fühlt sich gut an, dass ich entscheiden kann.
Und wenn ich mich dafür entschieden habe, kann wieder eine emotionale Verletzung heilen. Können sich meine Hände wieder öffnen.

Stehst Du vielleicht gerade vor dem Tor der Versöhnung?
Frage dein Herz, ob Du es öffnen willst. Es kennt die Antwort!

 

Anonyme Großstadt

Da schreibe ich in der letzten Woche, wie wertvoll ein Lächeln ist. Und habe prompt heute in Berlin ein Erlebnis dazu, das ich gern mit euch teile.

Großstädte finde ich irgendwie so anonym. Umso wichtiger finde ich es, trotz Terminhetze, den Menschen ein Lächeln zu schenken.
Der Kassiererin, dem Mann der an die Seite tritt, damit ich mit meinem Gepäck vorbei komme. Der Obdachlosen, die mir Feuer gibt, weil mein Feuerzeug nicht will. Dem Busfahrer etc.
Denn dann kann folgendes passieren: Ich steige in Berlin Gesundbrunnen aus der S-Bahn. Plötzlich lächelt mich ein Mann an. Der Busfahrer von heute früh, der mittlerweile Feierabend hat. Er lächelt mich an und sagt: „Sie sind doch heute morgen mit mir gefahren.“
Und in diesem Moment des Aussteigens ist die Großstadt plötzlich nicht mehr so anonym.

Wie wertvoll kann ein kleines Lächeln sein.

Collage zu „Versöhnung“ und „freundlich angesehen“

Heute bekam ich den Impuls, mich dem Projektthema mal anders zu nähern. Mich inspirieren zu lassen, welche Impulse geweckt werden.
Also nahm ich mir ein paar Zeitungen vor und habe das rausgerissen, was mich berührt hat. Das habe ich auf ein großes Blatt geklebt und rundherum meine Impulse notiert.

Und das Ergebnis kannst Du auf dem Foto sehen.

So eine Collage kann auch innerhalb einerSchreibwerkstatt entstehen. Es geht immer um den Impuls, der sich im „Augenblick“ bemerkbar macht und sich über den Stift Ausdruck verleiht.

Ich wünsche dir eine schöne Zeit!
Simone

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Spontane Impulse zum Projektthema!

 

 

Freundlichkeit überraschte mich, als ich sie nicht erwartet hatte

Kennst Du das mit den Erwartungen? Manchmal können zu hohe Erwartungen enttäuschen. Aber manchmal können Erlebnisse auch überraschen, weil man sie so nicht erwartet hatte.
So war ich überrascht, als mir Freundlichkeit begegnete, als ich sie nicht erwartet hatte.

Ich war im März in Israel. Mein Mann und ich hatten uns alleine auf den Weg gemacht, Israel zu erkunden. Zu Ostern in Jerusalem. Wow!!!
Wir brauchten eine Zeit um uns an diese für uns spürbare Bedrohung aufgrund der hohen Militärpräsenz zu gewöhnen. Natürlich war Ostern auch noch eine besondere Zeit im heiligen Land. Irgendwann veränderte sich unser Gefühl  von „Bedrohung“ in ein Gefühl von „Beschützt sein“. Und trotzdem war eine besondere Stimmung spürbar.

Nach 5 Tagen brachen wir zu unserer Traumreise auf. Unser langer Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Zu zweit zu Fuß von Nazareth nach Kapernaum wandern. Den Jesus Trail. Kein besonders langer Weg. Nur 5 Tage. Aber ein besonderer Weg. Zwischendurch die Frage: „Können wir uns dabei sicher fühlen?“ Aber es war unser Traum und wir waren bereit, dafür auch ein Risiko einzugehen.
Sehr bald waren wir überwältigt von dieser wunderschönen Natur. Dieser Ruhe. Und als wir in einen Vorort von Cana kamen, unserem ersten Etappenziel. Da begegnete uns die Freundlichkeit zum ersten Mal, die wir in dieser Form nicht vermutet hatten.
Leuchtende Kinderaugen schauten uns an. Kinder kamen uns entgegen gerannt. Kinderhände winkten über Mauern hinweg. Es schallte uns laut „Shalom, Shalom“ entgegen. Jungs, die mit ihren Rädern den Berg herunter rasten und anhielten um uns die Hand zu schütteln. Eine Freundlichkeit, die mir auch jetzt noch in der Erinnerung eine Gänsehaut bereitet.
Bauern hielten mit ihren Treckern an um uns auf Englisch zu fragen: „Aus welchem Land kommt ihr?“ Und wenn wir antworteten: „Aus Deutschland“. Dann antworteten die Bauern in bestem Deutsch: „Herzlich Willkommen in Israel“ und in diesen Stimmen schwang reine Herzlichkeit mit.
Während einer Rast an einer Imbissbude nahe einer Militärstation wurden wir ebenfalls gefragt woher wir kommen. Als wir wieder unsere Heimat verrieten, bekam der Mann feuchte Augen. Er zeigte uns voller Stolz, was er als Kind von seinem Großvater gelernt hatte. Und das war das Kinderspiel: „Hoppe, hoppe Reiter“. Ich hoffe ihr kennt das. Denn dann könnt ihr euch vorstellen, wie kurios diese Situation war. Waren wir doch umgeben von bewaffneten Soldaten.
Wir wurden mit einer Freundlichkeit empfangen, die wir uns nicht zu Träumen gewagt hatten.Die uns aber durch den Blick in die leuchtenden Augen offenbar wurde.
Dies brachte uns mit unseren ersten Eindrücken in Versöhnung.

Und während ich diese Zeilen schreibe keimt in mir die Frage auf:
„Wann habe ich zum letzten mal jemanden mit dieser Freundlichkeit in den Augen bewusst angesehen?“
Ich werde in den nächsten Tagen bewusster darauf achten, an wen ich ein Lächeln verschenke. Eines, das von Herzen kommt.
Und vielleicht fühlst Du dich dadurch auch inspiriert? Inspiriert dazu, ein Lächeln zu schenken?
Und wer weiß, vielleicht kommt ja auch eines zurück.
Vielleicht genau dann, wenn Du es besonders gebrauchen kannst.
Ich wünsche es Dir!

Mit FREUNDLICHEN Grüßen Simone